Präsentation Hochschule Macromedia: Vom Hasen zum Igel

Wie erzählt man etwas, dass eigentlich noch ein internes Projekt ist?
Schwierig, aber dennoch möchte ich gerne darüber berichten, was gestern in Köln vorgestellt wurde, auch wenn die komplette Dokumentation noch nicht fertig ist.

Nach knapp 5 Monaten sind wir so weit: Die StudentInnen stellen die Ergebnisse ihrem Professor und den begleitenden Dozenten und SpezialistInnen vor. Zudem hatten wir noch Expertenbesuch, denn im Folge der Präsentation wollten wir wissen, wie Profis, die in und für Städte arbeiten, die dargestellten Ansätze und Lösungen finden. Vorgeschichte und Grundlagen zu diesem Projekt habe ich in dem Beitrag „Mögest du in interessanten Zeiten leben!“ beschrieben. Man kann die Problematik kurz mit der Geschichte von „Hase und Igel“ beschreiben: egal wie schnell der Hase auch läuft, der Igel ist schon da und wie der Igel, spielen die globalen Plattformen nicht nach unseren Regeln, sondern definieren die Welt in der Digitalisierung komplett neu. Daher ist mein Ansatz der, dass ich versuche zu verstehen, wie diese Plattformen funktionieren und diese Funktionen aus der rein digitalen in die real-digitale Erlebniswelt einer Stadt zu übersetzen. Das war genau auch die Aufgabe der StudentInnen: Zu verstehen, wie Amazon und seine „Brechstange“ Prime ihren Erfolg erzielen und dann Maßnahmen zu entwickeln, die diese Brechstange kopieren, aber in einer Stadt effektiver und individueller einsetzbar sind, als globale Lösungen.

Nein. So zu denken ist nicht Unsinn und auch nicht Grössenwahnsinnig.
Kennen Sie den altchinesischen Militärstratege und Philosophen Sunzi? Er lebte vor mehr als 2500 Jahren und prägte mit seiner Einstellung zum Krieg als letztes mögliches Mittel seine Zeit und hoffentlich noch heute die Mächtigen dieser Erde. Sunzi war aber kein realitäsferner Mensch und sich der Dummheit der Mächtigen durchaus bewusst. Daher schrieb er ebenso über die Vorbereitungen auf eine Auseinandersetzung. So definierte er, dass man mit folgenden Vorraussetzungen jede Schlacht gewonnen wird:
„Wenn Du Deinen Feind kennst und dich selbst kennst, brauchst du das Ergebnis von 100 Schlachten nicht zu fürchten…Aber kennst du ebenso das Gelände und das Wetter, dann wirst du einen totalen Sieg erlangen.“
Für dieses Projekt haben wir uns in den Gegner (Amazon Prime), das Gelände (Stadt Bocholt) und das…nennen wir es mal: digitale Klima der Konsumenten eingearbeitet und daraus 5 relevante Maßnahmen entwickelt. Dabei treten wir mit High-Tech auf unserem eigenen, wohlbekannten Territorium an und unser Ziel ist es, so viel Zeit wie möglich von der täglichen Web-/App-Nutzung in der Stadt (durchschnittlich in Deutschland je Nutzer ca. 4 Stunden) auf unsere Angebote zu ziehen. Auf diesem Grundkonzept, was auch schon in das „Smarter Handeln Bocholt“-Konzept implementiert ist, bauen sich die folgenden 5 Maßnahmen auf.

Wie gesagt, eine umfangreiche Dokumentation wird folgen. Heute muss ein Überblick genügen um zu zeigen, wie und was die StudentInnen entwickelt haben.

Basis ist eine sinnvolle, modular aufgebaute und erweiterbare Website. Nicht irgendeine, sondern eine sogenannte „Progressive Web App/PWA“, die wie eine App viele ortsbasierte Technologien (QR-Scanner, Beacon, GPS, Augmented Reality,…) und Dienste (Mobilität, Bezahlen, Medien, Gamification,…) einsetzbar macht.

Eine hochsichere Blockchain sorgt dafür, dass alle Nutzerdaten sicher und individuell nutzbar über diese PWA verwaltet werden. Ebenso läuft darauf eine Kryptowährung, die ein Bezahl- und Mehrwertsystem darstellt und über die PWA integriert wird.

Eines dieser Mehrwertangebote ist ein Mobilitätsmodul, über dass der geringe Parkraum der Stadt bestenfalls seine Problematik verlieren wird. Denn eines ist klar: Mehr Autos und Parkplätze kann die Stadt nicht verkraften. Darum werden alle Maßnahmen, die zu einer Reduktion des Auto-zentrierten Individualverkehrs führen, spielerisch belohnt.

Bei einer Umfrage unter den Bocholter EinzelhändlerInnen kam der Wunsch auf, dass es eine kontinuierliche Begleitung in Form eines Handbuchs und unterschiedlicher, aber individuellerer Weiterbildungsangebote geben muss. Auch darüber machten die StudentInnen sich ihre Gedanken und erfanden eine spezielle analoge „ToolBOHx“

Die PWA verfügt über einen umfassenden und einfach zu bedienenden Online-Shop. Bestellt werden kann praktisch überall: Daheim, von der Arbeit aus, oder zur Lieferung im Geschäft. Bezahlt wird auch mit den BocholtCoins, die man sich mit verschiedenen „guten Taten“ und gesellschaftlichen/ökologischen Leistungen verdienen kann.

Was ich besonders clever fand, dass waren die unterschiedlichen Logistik-Ansätze. Die StudentInnen überlegten sich ein paar wirklich kluge Ansätze, wie eingekaufte und bestellte Ware dem Käufer „folgt“, oder geliefert wird.

Eine Lösung davon ist ein zentrales Geschäft, dass mit smarter Technologie und einigen wirklich guten räumlichen und logistischen Angeboten die Schnittstelle zwischen digitalen Kunden und stationären Händlern ist. Damit nicht genug, machten sie sich auch darüber Gedanken, wie die Digitale Revolution den BocholterInnen zu vermitteln ist und erfanden ein jährliches Digitalisierungsfestival:

Um sich die ganzen Abläufe auch haptisch vorstellen zu können, erdachten sie neben den Software-Lösungen auch eine Lösung zum Anfassen. Die Bocholtcard ist quasi der 3D-gedruckte Ausweis zu einem Land, wo sich der Hase entspannt und gut abgesichert von den Igeln dieser Welt um seine eigenen Dinge kümmern kann.

Das alle diese Vorgänge miteinander vernetzt sind und von intelligenten Programmen gesteuert und individualisiert werden, versteht sich von selbst. Auch diese Punkte hatten die StundentInnen in den vorangegangenen Wochen mit externen ExpertInnen besprochen, auf Umsetzung abgeklopft, verstanden und in ihr Konzept integriert.

Im anschliessenden Expertengespräch bekamen die StudentInnen viel Lob für ihre Entwicklungen, ihre Präsentation und viele Tipps aus der täglichen Arbeit mit EinzelhändlerInnen, Technologie und Projektplanung. Kritik gab es an der fehlenden Kostenstruktur…die hatten sie natürlich fertig, aber in diesem Stadium noch nicht in die Dokumentation integriert.

Wenn die Zukunft der Digitalen Revolution von einer solchen klugen und verständnisvollen Generation weiter entwickelt wird, mache ich mir viel weniger Sorgen, wie wir als Gesellschaft damit klar kommen werden.

Die komplette Dokumentation werden wir veröffentlichen, sobald sie fertig ist.

Ein Kommentar zu „Präsentation Hochschule Macromedia: Vom Hasen zum Igel

Gib deinen ab

  1. … bereits diese kleine Einblick weckt wirklich großes Interesse auf die Dokumentation! Schon jetzt mein Respekt & Anerkennung für die studentische Gruppe. Neben Bocholt sollten unbedingt weitere Orte – wie beispielsweise Garmisch-Partenkirchen – als Living Lab eine Umsetzung vorantreiben und für einen interkommunalen Erfahrungsaustausch bereit sein

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